Athanasius Werke | Arbeitsstelle Erlangen

Dok. 4

Dok. 4: Brief des Eusebius von Nikomedien an Paulinus von Tyrus (Urk. 8)

Meinem Herrn Paulinus schickt Eusebius Grüße im Herrn!

1 Weder ist der Eifer meines Herrn Eusebius für die wahre Lehre verschwiegen worden, sondern hat sogar auch uns erreicht, noch auch dein Schweigen in dieser Sache, Herr. Und so haben wir uns über meinen Herrn Eusebius gefreut, über dich aber sind wir betrübt, da wir der Ansicht sind, daß das Schweigen eines solchen Mannes schädlich für uns ist.

2 Da du ja weißt, daß es unangebracht ist für einen verständigen Mann, anders zu denken und die Wahrheit zu verschweigen, bitte ich dich, beginne mit allem Scharfsinn deine Überlegungen über sie darzulegen,1 was sowohl dir als auch denen, die dir zuhören, nützlich sein wird, vor allem, wenn du nach der Argumentation der Schrift und im Sinne ihrer Worte und Ratschläge schreiben willst.

3 Denn wir haben weder von zwei Ungezeugten gehört noch haben wird gelernt oder geglaubt, daß eins in zwei zerteilt worden ist oder etwas Körperliches erlitten hat, Herr, sondern wir glauben, eines ist das Ungezeugte, eines aber das wahrhaftig aus ihm und nicht aus seinem Wesen Gewordene, welches gar nicht an der ungezeugten Natur teilhat oder aus seinem Wesen ist, sondern der Natur und der Kraft nach vollständig ein Anderes wurde, vollkommen gleich aber hinsichtlich Anlage und Kraft des Schöpfers, dessen Anfang kann nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gedanken der Menschen nicht beschrieben werden und ist auch für die Wesen, die über den Menschen stehen, unbegreiflich.

4 Und dies sagen wir nicht, weil wir damit unsere eigenen Thesen aufstellen, sondern weil wir es aus der heiligen Schrift gelernt haben; wir haben gelernt, daß er (der Sohn) geschaffen, gegründet und gezeugt wurde, ausgestattet mit Wesen, unveränderlicher und nicht beschreibbarer Natur und der Gleichheit mit dem Urheber, wie es der Herr selbst sagt: »Der Herr schuf mich am Anfang seiner Wege, und vor der Zeit gründete er mich, vor allen Hügeln zeugte er mich.«

5 Wenn er aber »aus ihm«, das heißt »von ihm« wäre wie ein Teil von ihm oder aus einem Ausfluß seines Wesens, dann dürfte er doch wohl nicht mehr »geschaffen« oder »gegründet« genannt werden. Dies kannst auch du, Herr, wirklich nicht ignorieren. Denn das, was aus dem Ungezeugten kommt, das dürfte wohl nicht von einem anderen oder von ihm selbst geschaffen oder gegründet worden sein, denn dann wäre es von Beginn an ungezeugt.

6 Wenn aber die Redeweise, er sei gezeugt worden, jemanden zu der Ansicht verleitet, daß er (der Sohn) aus dem väterlichen Wesen kommt und von diesem dieselbe Natur besitzt, so wissen wir, daß die Schrift nicht nur von ihm allein sagt, er sei gezeugt, sondern auch bei anderen, die ihm in jeder Hinsicht in ihrer Natur ungleich sind.

7 Denn auch bei Menschen sagt sie: »Söhne habe ich gezeugt und erhöht, sie aber haben mich verworfen« und »Gott, der dich gezeugt hat, hast du verlassen« und andernorts sagt sie »Wer ist es, der die Tautropfen zeugte?« Dabei erklärte er nicht die Natur aus der Natur, sondern die Entstehung bei einem jeden der Geschaffenen aus seinem Willen. Denn nichts ist aus seinem Wesen, sondern alle Dinge sind durch seinen Willen geworden, ein jedes, wie es auch geworden ist.

8 Denn auf der einen Seite ist Gott, die anderen aber werden Gott gleich, wenn sie seinem Wort gleich werden, sie sind nämlich nach seinem freien Willen geworden; alles ist durch ihn von Gott geworden, alles aber ist aus Gott. Wenn du diese Dinge aufnimmst und nach deiner dir von Gott verliehenen Gnade entfaltest, beeile dich, sie meinem Herrn Alexander zu schreiben. Ich glaube nämlich, daß du ihn, wenn du ihm schreibst, zum Umdenken bringen könntest. Grüße alle im Herrn. Die göttliche Gnade möge dich, Herr, bei Kräften und im Gebet für uns erhalten!

Fußnoten:

1

Der griechische Text ist gegen Opitz wie folgt zu rekonstruieren: ἀνασκαλεύσαντι τῷ πνεύματι τὸν λογισμὸν [περὶ τὸ] γράφειν περὶ τούτου ἄρχου.

Zuletzt geändert: 2015-04-07 Di 18:07 von annette.von.stockhausen@fau.de

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