Athanasius Werke | Arbeitsstelle Erlangen

Dok. 2.2

Dok. 2.2: Rundschreiben an alle Bischöfe (Urk. 4b)

1 Den geliebten und hochverehrten Mitdienern überall in der katholischen Kirche entbietet Alexander seinen Gruß im Herrn.

2 Da die katholische Kirche ein Leib ist und in den göttlichen Schriften das Gebot hat, das Band der Einmütigkeit und des Friedens zu bewahren, ist es folgerichtig, daß wir schreiben und einander anzeigen, was bei einem jeden geschehen ist, damit, wenn ein Glied leidet oder sich freut, wir entweder miteinander leiden oder uns miteinander freuen.

3 In unserer Gemeinde nun zogen jüngst gesetzlose und christusfeindliche Männer aus, die den Abfall lehren, was man wohl zu Recht für den Vorboten des Antichristen halten und so bezeichnen dürfte.

4 Zwar wollte ich diese Angelegenheit mit Schweigen übergehen, damit das Schlechte allein von den Vorstehern beseitigt wird und nicht, wenn es an andere Orte durchdringt, solches Zeug die Ohren irgendwelcher unverdorbener Menschen verseucht. Nachdem aber Eusebius, der jetzt in Nikomedien ist, meint, in seiner Zuständigkeit würden alle Angelegenheiten der Kirche liegen, weil er, nachdem er Berytus verlassen und begehrliche Blicke auf die Kirche von Nikomedien geworfen hatte, nicht einmal dafür bestraft wurde, und nun auch diesen Abtrünnigen vorsteht und versuchte, überallhin Briefe zu verschicken, mit denen er sie unterstützt, um irgendwelche Unwissende in diese häßliche und christusfeindliche Häresie hineinzuziehen, hielt ich es für notwendig, da ich das im Gesetz Geschriebene kenne, nicht mehr zu schweigen, sondern euch allen zu berichten, damit ihr die, die abtrünnig geworden sind, wie auch die unseligen Sprüche ihrer Häresie erkennt und, falls Eusebius schreiben sollte, darauf nicht achtet.

5 Denn der, der seine alte, eine zeitlang verschwiegene schlechte Gesinnung nun durch diese Angelegenheiten erneuern will, gibt zwar vor, zu deren Gunsten zu schreiben, in Wirklichkeit aber zeigt er, daß er dies tut, weil er sich um sich selbst eifrig kümmert.

6 Die Abtrünnigen sind also die ehemaligen Presbyter Arius, Achilleus, Aeithales, Carpones, ein weiterer Arius und Sarmates, sowie die ehemaligen Diakone Euzoius, Lucius, Julius, Menas, Helladius und Gaius, und mit ihnen Secundus und Theonas, die früher Bischöfe genannt wurden.

7 Was sie aber gegen die Schrift erfinden und verbreiten, ist folgendes:

»Nicht immer war Gott Vater, sondern es war einmal, als Gott nicht Vater war. Nicht immer war das Wort Gottes, sondern es wurde aus nichts. Denn Gott, der ist, hat den, der nicht ist, aus nichts geschaffen. Deshalb war es einmal, daß er nicht war. Denn der Sohn ist Geschöpf und Werk. Er ist nämlich weder dem Vater dem Wesen nach gleich noch wahres und natürliches Wort des Vaters, noch seine wahre Weisheit, sondern eines der gemachten und gewordenen Dinge und wird nur uneigentlich Wort und Weisheit genannt, da auch er durch Gottes eigenes Wort und durch die Weisheit in Gott geworden ist, wodurch Gott alles und auch ihn gemacht hat.

8 Daher ist er wandelbar und veränderlich der Natur nach wie auch alle Vernunftwesen. Fremd, anders und abgetrennt ist das Wort vom Wesen Gottes, und der Vater ist für den Sohn unsichtbar. Denn weder kennt das Wort den Vater vollkommen und genau, noch vermag es ihn vollkommen zu sehen. Der Sohn kennt nämlich nicht einmal sein eigenes Wesen, wie es ist.

9 Er ist nämlich um unseretwillen gemacht worden, damit Gott uns durch ihn wie durch ein Werkzeug schaffe. Und er würde nicht existieren, wenn Gott uns nicht hätte machen wollen.«

10 Jemand fragte sie also, ob sich das Wort Gottes wandeln könne, wie auch der Teufel sich wandelte, und sie fürchteten sich nicht zu sagen, daß es dies wohl könne; denn da es geworden und geschaffen worden sei, besitze es eine wandelbare Natur.

11 Als wir mit beinahe hundert Bischöfen aus Ägypten und Libyen zusammenkamen, verurteilten wir die, die diese Dinge behaupteten, Arius und seine Mitstreiter, und sich dafür nicht schämten, und die, die ihnen nachfolgten. Eusebius und seine Mitstreiter aber nahmen sich ihrer an und beeilten sich, Lüge mit Wahrheit und die Gottlosigkeit mit Frömmigkeit zu vermischen. Aber sie werden nicht gewinnen; denn die Wahrheit siegt, und das Licht hat keine Gemeinschaft mit der Finsternis, auch gibt es kein Einvernehmen zwischen Christus und Beliar.

12 Denn wer hat jemals so etwas gehört? Oder wer wird nicht befremdet sein, wenn er (solches) hört, und verstopft sich nicht die Ohren, damit der Schmutz dieser Aussprüche nicht das Gehör erreicht? Wer, der bei Johannes hört »Im Anfang war das Wort«, verurteilt nicht diese, die sagen: »Es war einmal, daß er nicht war«; oder wer, der im Evangelium hört »eingeborener Sohn« und »durch ihn wurden alle Dinge«, wird nicht die hassen, die von sich geben »Er ist eines der Werke«? Denn wie kann er einer von denen sein, die durch ihn geworden sind, oder wie kann er »Eingeborener« sein, wenn er jenen zufolge zu allen dazugerechnet wird? Wie aber dürfte er wohl »aus nichts sein«, wenn der Vater sagt: »Mein Herz äußerte ein gutes Wort« und »Aus dem Bauch vor dem Morgenstern habe ich dich geboren«?

13 Oder wie dürfte der, der vollkommenes Abbild und Abglanz des Vaters ist und der sagt: »Wer mich sieht, sieht den Vater«, dem Wesen des Vaters ungleich sein? Wie aber »war es einmal, daß er nicht war«, wenn der Sohn Wort und Weisheit Gottes ist? Dasselbe wäre es nämlich, wenn sie sagten, Gott wäre einmal ohne Wort und ohne Weisheit gewesen.

14 Wie dürfte aber der, der durch sich selbst sagt »Ich bin im Vater und der Vater ist in mir« und »Ich und der Vater sind eins«, durch den Propheten aber »Sehet mich, daß ich es bin, und ich verändere mich nicht«, veränderlich und wandelbar sein? Denn auch wenn jemand es fertigbringt, das Gesagte auf den Vater selbst zu beziehen, so dürfte aber der jetzige Spruch genau auf das Wort zutreffen, da es auch Mensch geworden sich nicht verändert hat, sondern, wie der Apostel sagt: »Jesus Christus, gestern und heute und in Ewigkeit derselbe.« Wer aber überredete sie also zu sagen, daß er um unseretwillen wurde, obwohl doch Paulus schreibt: »Für den alles und durch den alles«?

15 Denn darüber, daß sie lästern, der Sohn kenne den Vater nicht vollkommen, braucht man sich nicht zu wundern. Denn da sie sich einmal vorgenommen haben, Christus zu bekämpfen, überhören sie auch seine Worte, wenn er sagt: »Wie der Vater mich kennt, so kenne ich auch den Vater.« Wenn also der Vater den Sohn teilweise kennt, so soll offenbar auch der Sohn den Vater nicht vollkommen kennen. Wenn aber dies zu sagen nicht Recht ist - es kennt nämlich der Vater den Sohn vollkommen -, so ist deutlich, daß, wie der Vater sein eigenes Wort, so auch das Wort seinen eigenen Vater kennt, dessen Wort er ist.

16 Wir, die wir diese Dinge sagen und die göttlichen Schriften entfalten, haben sie oft beschämt, aber wie ein Chamäleon änderten sie aus Streitsucht wieder ihre Meinung, um so das Schriftwort auf sich zu ziehen: »Wenn der Gottlose in die Tiefen der Bosheit fällt, verachte man ihn!« Viele Häresien sind nun schon vor ihnen entstanden, die sich über das Angemessene hinausgewagt haben und so der Torheit verfallen sind. Diese aber, die mit all ihrem Gerede versucht haben, die Gottheit des Wortes aufzuheben, geben jenen Häresien auch noch von sich aus Recht und stellen sich so in die Nähe des Antichristen. Deswegen wurden sie auch verstoßen und aus der Kirche ausgeschlossen.

17 Wir sind zwar betrübt über das Verderben dieser Leute, besonders aber darüber, daß sie die Lehren der Kirche nun verlassen haben, in denen sie einst unterrichtet wurden, aber es befremdet uns nicht. Denn dies erlitten auch Hymenaeus und Philetus und vor ihnen Judas, der, obwohl er dem Erlöser nachfolgte, später zum Verräter und Abtrünnigen wurde.

18 Aber auch über solche sind wir nicht in Unwissenheit geblieben, sondern der Herr sagte: »Achtet, daß niemand euch in die Irre führt! Denn viele werden in meinem Namen kommen und sagen, daß ich es sei und daß der Zeitpunkt gekommen sei, und sie werden viele in die Irre führen. Folgt ihnen nicht nach!« Paulus, der dies vom Erlöser lernte, schrieb ferner: »In den letzten Tagen werden einige vom gesunden Glauben abfallen und Irrgeistern anhängen sowie Lehren von Dämonen, die sich von der Wahrheit abgewandt haben.«

19 Weil also unser Herr und Erlöser Jesus Christus durch sich selbst dies befahl und durch den Apostel auf solche Ereignisse hingewiesen hat, so haben wir konsequenterweise, als wir Ohrenzeugen ihrer Gottlosigkeit wurden, wie gesagt, diese aus der Kirche ausgeschlossen, nachdem wir aufgedeckt haben, daß sie dem katholischen Glauben und der katholischen Kirche fremd gegenüberstehen.

20 Wir haben es aber auch eurer Gottesfurcht vorgelegt, geliebte und ehrwürdige Mitdiener, damit ihr weder irgendwelche von ihnen, wenn sie sich beeilen, zu euch zu kommen, aufnehmt, noch von Eusebius oder irgendeinem anderen, der für jene schreibt, überredet werdet. Es ziemt sich nämlich für euch, die ihr alle Christen seid und im Sinne Christi redet und denkt, daß ihr euch von denen, die Gott bekämpfen und die Seele verderben, fern haltet und solchen auch keinen Gruß schickt, damit wir nicht an ihren Sünden teilhaben, wie es der selige Johannes befohlen hat.

Grüßt die Brüder bei euch! Die, die bei mir sind, grüßen euch!

21 Presbyter aus Alexandrien:

Ich, der Presbyter Colluthus, stimme dem Geschriebenen und der Absetzung des Arius und derer, die mit ihm zusammen gottlos sind, zu.

Der Presbyter Alexander gleichermaßen.

Der Presbyter Dioscurus gleichermaßen.

Der Presbyter Dionysius gleichermaßen.

Der Presbyter Eusebius gleichermaßen.

Der Presbyter Alexander gleichermaßen.

Der Presbyter Nilaras gleichermaßen.

Der Presbyter Harpokration gleichermaßen.

Der Presbyter Agathus.

Der Presbyter Nemesius.

Der Presbyter Longus.

Der Presbyter Silvanus.

Der Presbyter Perous.

Der Presbyter Apis.

Der Presbyter Proterius.

Der Presbyter Paulus.

Der Presbyter Cyrus gleichermaßen.

Diakone:

Der Diakon Ammonius gleichermaßen.

Der Diakon Macarius.

Der Diakon Pistus gleichermaßen.

Der Diakon Athanasius.

Der Diakon Eumenes.

Der Diakon Apollonius.

Der Diakon Olympius.

Der Diakon Aphthonius.

Der Diakon Athanasius.

Der Diakon Macarius.

Der Diakon Paulus.

Der Diakon Petrus.

Der Diakon Ambytianus.

Der Diakon Gaius gleichermaßen.

Der Diakon Alexander.

Der Diakon Dionysius.

Der Diakon Agathon.

Der Diakon Polybius gleichermaßen.

Der Diakon Theonas.

Der Diakon Marcus.

Der Diakon Comodus.

Der Diakon Serapion.

Der Diakon Nilus.

Der Diakon Romanus gleichermaßen.

Presbyter aus der Mareotis:

Ich, der Presbyter Apollonius, stimme dem Geschriebenen und der Absetzung des Arius und derer, die mit ihm zusammen gottlos sind, zu.

Der Presbyter Ingenius gleichermaßen.

Der Presbyter Ammonius.

Der Presbyter Dioscurus.

Der Presbyter Sostras.

Der Presbyter Theon.

Der Presbyter Tyrannus.

Der Presbyter Copres.

Der Presbyter Ammonas.

Der Presbyter Horion.

Der Presbyter Serenus.

Der Presbyter Didymus.

Der Presbyter Heracles.

Der Presbyter Boccon.

Der Presbyter Agathus.

Der Presbyter Achillas.

Der Presbyter Paulus.

Der Presbyter Thalelaius.

Der Presbyter Dionysius gleichermaßen.

Diakone:

Der Diakon Sarapion gleichermaßen.

Der Diakon Justus gleichermaßen.

Der Diakon Didymus.

Der Diakon Demetrius.

Der Diakon Maurus.

Der Diakon Alexander.

Der Diakon Marcus.

Der Diakon Comon.

Der Diakon Tryphon.

Der Diakon Ammonius.

Der Diakon Didymus.

Der Diakon Ptollarion.

Der Diakon Seras.

Der Diakon Gaius.

Der Diakon Hierax.

Der Diakon Marcus.

Der Diakon Theonas.

Der Diakon Sarmaton.

Der Diakon Carpon.

Der Diakon Zoïlus gleichermaßen.

Zuletzt geändert: 2015-04-07 Di 18:07 von annette.von.stockhausen@fau.de

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