Athanasius Werke | Arbeitsstelle Erlangen

Dok. 15

Dok. 15: Brief des Arius an Eusebius von Nikomedien (Urk. 1)

1 Dem heißersehnten Herrn, dem treuen Menschen Gottes, dem rechtgläubigen Eusebius entbietet Arius, der vom Papas Alexander ungerechterweise um der Wahrheit willen, die alles besiegt und die auch du mit dem Schild deckst, verfolgt wird, im Herrn seinen Gruß.

2 Als mein Vater Ammonius im Begriff war, nach Nikomedien zu reisen, schien es mir vernünftig und geziemend zu sein, dich durch ihn zu grüßen, zugleich aber auch die dir angeborene Liebe und Gesinnung, die du den Brüdern gegenüber um Gott und seines Christus willen hegst, daran zu erinnern, daß der Bischof uns arg zusetzt, verfolgt und alle Hebel gegen uns in Bewegung setzt, so daß er uns aus der Stadt vertreibt wie gottlose Menschen, weil wir nicht mit ihm übereinstimmen, wenn er öffentlich sagt: »Immer Gott immer Sohn, zugleich Vater zugleich Sohn, der Sohn existiert ungezeugt zusammen mit dem Vater, ewig-gezeugt, ungezeugt geworden, weder durch einen Gedanken noch durch irgendeinen kleinsten Moment geht Gott dem Sohn voran, ewig Gott ewig Sohn, aus Gott selbst ist der Sohn.«

3 Und da ja dein Bruder Eusebius in Caesarea, Theodotus, Paulinus, Athanasius, Gregorius, Aëtius und alle im Osten sagen, daß Gott vor dem Sohn ohne Anfang existiert, wurden sie ausgeschlossen, abgesehen von Philogonius, Hellanicus und Macarius, häretischen Menschen, die nicht einmal Taufunterricht empfangen haben, von denen die einen den Sohn »Rülpser« nennen, die anderen »Hervorgeworfenes«, wieder andere ihn aber zusammen mit dem Vater ungezeugt nennen.

4 Und diese Gottlosigkeiten könnten wir nicht einmal dann hören, wenn uns die Häretiker unzählige Tode androhten. Wir aber, was sagen, denken, lehrten und lehren wir auch heute? Daß der Sohn nicht ungezeugt und nicht Teil eines Ungezeugten auf irgendeine Art und Weise ist, noch daß er aus irgendetwas Existierendem entstanden ist, sondern auf Grund von Wollen und Wunsch vor Zeiten und Ewigkeiten, voll der Gnade und der Wahrheit, Gott, Eingeborener, unveränderlich.

5 Und bevor er gezeugt, geschaffen, beschlossen oder gegründet wurde, war er nicht. Denn er war nicht ungezeugt. Wir werden aber verfolgt, weil wir sagen, der Sohn hat einen Ursprung, Gott aber ist ursprungslos. Deswegen werden wir verfolgt, weil wir auch sagen, er ist aus nichts. Wir haben aber so gesprochen, weil er kein Teil Gottes ist und weil er nicht aus irgendetwas Existierendem stammt. Deswegen werden wir verfolgt, das übrige weißt Du.

Ich bete, daß es dir im Herrn wohl ergehen möge - eingedenk unserer Betrübnisse -, mein Mit-Lukianist, wahrhaftig »Frommer«.

Zuletzt geändert: 2015-04-07 Di 18:07 von annette.von.stockhausen@fau.de

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